Spezialkinderheim für schwererziehbare Jugendliche in der DDR

Spezialkinderheim

Diese Tour führte uns zu einen Ort über den man so manches gehört hat, das Spezialkinderheim für schwererziehbare Jugendliche in der DDR.

Ein etwas mulmiges Gefühl hatten wir als wir die Gebäude des Spezialkinderheim betraten. Im Vorfeld unserer Tour hatten wir uns schon etwas mit der Geschichte und den Geschehnisse in der DDR-Zeit beschäftigt.

Im Ort wurde im Jahre 1824 eine Landeswaisenanstalt eingerichtet. Die einige Jahre später zur Korrektionsanstalt für kriminelle Kinder ausgebaut wurde. Eine Korrektionsanstalt war eine Anstalten, die zur Aufnahme von Verbrechern und verwahrlosten Personen in der Weise bestimmt waren, dass ihr Hauptzweck nicht Bestrafung, sondern deren Besserung war.
Nach 1918 wurde das Heim zu einer Fürsorge- und Erziehungsanstalt für sittliche gefährdete Kinder. In der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945 wurden hier „asoziale und arbeitsunwillige“ Erwachsene untergebracht um sie wieder in die Volksgemeinschaft zurückzuführen.

Nachdem Zweiten Weltkrieg 1945 wurde die unrühmliche Geschichte weitergeführt und ein Jugendwerkhof nach sowjetischen Vorbild eingerichtet. Allgemeine Leitlinie war die Sowjetpädagogik einschließlich der Kollektiverziehung nach A.S. Makarenko. Danach wurde Schwererziehbarkeit als Störung der Beziehungen zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft verstanden. Für Verfehlungen Einzelner wurde nach dieser Methode das gesamte Kollektiv haftbar gemacht (Kollektivstrafe).

Ab den 1960 er Jahren wurde aus dem Jugendwerkhof das Spezialkinderheim für schwererziehbare Jugendliche ” Martin Andersen Nexö”.
Martin Andersen Nexö war ein dänischer Schriftsteller der 1941 während der deutschen Besetzung Dänemarks verhaftet wurde. 1943 floh er aus dem Gefängnis über Schweden in die Sowjetunion. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Andersen zunächst nach Dänemark zurück. Nach mehreren Reisen in die DDR siedelte er 1951 nach Radebeul über und ließ sich 1952 schließlich in Dresden-Weißer Hirsch nieder. Dort starb er am 1. Juni 1954 im Alter von 84 Jahren.
Spezialkinderheime hatten die Aufgabe Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren, die als schwererziehbar eingestuft worden umzuerziehen. Insbesondere in diesen Heimen der Jugendhilfe war der Alltag von Freiheitsbeschränkung, Menschenrechtsverletzungen, Fremdbestimmung, entwürdigenden Strafen, Verweigerung von Bildungs- und Entwicklungschancen sowie erzwungener Arbeit geprägt. Ein Teil der Minderjährigen wurde zuvor in das Aufnahme- und Beobachtungsheim in Eilenburg überwiesen. Das A/B-Heim empfahl nach einer gewissen Beobachtungszeit eine Überstellung in ein Sonderheim, Spezialkinderheim oder einen Jugendwerkhof.

Nach der politischen Wende in der DDR 1989 wurde das Heim schrittweise aufgelöst. Teile wurden noch von der “Kinderarche” benutzt die das Heim abwohnte bis nichts mehr bewohnbar war.
2003 wurde das Anwesen von einen Investor gekauft der ein Bildungszentrum bauen wollte, aber wie so oft ist nichts geschehen. So verfallen die Gebäude und die Natur holt sich das Areal wieder zurück.

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