Neue Jagdschloss Hummelshain Krankenhaus und Jugendwerkhof

Jugendwerkhof.

Das Neue Jagdschloss Hummelshain war auch Krankenhaus und Jugendwerkhof.

Während des Zweiten Weltkrieges richtete hier das nationalsozialistische Rüstungsunternehmen REIMAHG ein Krankenhaus für seine Zwangsarbeiter ein, in Gestalt von sechs im Schlosspark errichteten Baracken mit je 89 Betten. Unter katastrophalen hygienischen Bedingungen und ständig überbelegt, war die Todesrate unter den insgesamt 1.088 Patienten, darunter 980 Ausländern, entsprechend hoch. In diesem Krankenhaus starben insgesamt 175 Zwangsarbeiter, von denen die meisten aus Italien kamen. Die Toten wurden auf einem Feld östlich des Friedhofs bestattet.

Im Jahre 1947 wurde auf Beschluß der SMAD (sowjetische Militäradministration in Deutschland) im Neuen Jagdschloss Hummelshain ein Kinder und Jugendheim eingerichtet. Hier wohnten zu nächst Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 21 Jahre. Später wurden Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren im Jugendwerkhof untergebracht.
Im Jahr 1967 errichteten Jugendliche des Jugendwerkhofes ein aus 175 Steinen des ehemaligen Rüstungswerkes bestehendes Denkmal für die hier verstorbenen Zwangsarbeiter. Der Jugendwerkhof wurde 1991 geschlossen.

Der Jugendwerkhof (JWH) war eine Einrichtung im System der Spezialheime der Jugendhilfe in der DDR. Eingewiesen wurden Jugendliche beiderlei Geschlechts im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, die im Sinne der DDR-Pädagogik als schwererziehbar galten, dem Staatsziel der Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit nicht entsprachen oder aus Sicht verschiedener staatlicher Organe (Schule, Betriebe, Volkspolizei, Staatssicherheit, Kommissionen für Jugendhilfe) nicht in das Gesellschaftsbild der DDR passten. Aufgabe des Jugendwerkhofes war die Umerziehung „mit dem Ziel der Heranbildung vollwertiger Mitglieder der sozialistischen Gesellschaft und bewusster Bürger der Deutschen Demokratischen Republik.“

In den Einrichtungen herrschten teilweise menschenunwürdige Bedingungen. Die Insassen waren de facto weitgehend rechtlos und oftmals Gewalt, Schikanen und Misshandlungen ausgesetzt. Viele ehemalige Insassen leiden noch heute an posttraumatischen Belastungsstörungen.

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