Johanniter-Heilstätte auf dem Ochsenberg

Johanniter-Heilstätte Sorge

Die Johanniter-Heilstätte Sorge ist eine ehemalige Lungenheilstätte auf dem Ochsenberg, die nach Plänen der Architekten Heino Schmieden und Julius Boethke entstand.

Auf einer Versammlung von Repräsentanten des Johanniterordens 1899 wurde der Bau einer Lungenheilstätte beschlossen. Es sollte eine zeitgemäße Lungenheilstätte für 60 weibliche Kranke entstehen. Als Bauplatz wurde der Südhang des Gipfelplateaus des 562 m hohen Ochsenberges ausgewählt – einsam inmitten dichten Fichtenwaldes gelegen.
Das Gebäude wurde in sehr massiver Bauweise erstellt. Die Mauern bis zum dritten Geschoss wurden in Granit ausgeführt.Das Gebäude gliederte sich in zwei gleichförmige Außengebäude und in einen Zentralbau, der in seinem Obergeschoss eine Kirche enthielt. Die geräumigen, hellen Krankenzimmer in den äußeren Gebäudeteilen waren nach Süden ausgerichtet. Es handelte sich dabei um Ein-, Zwei-, Drei- oder Vierbettzimmer. Ein Wintergarten, eine Bibliothek und mehrere Aufenthalts- und Tagesräume rundeten die komfortable Ausstattung ab.

Am 26. Juni 1902 fand die feierliche Einweihung der neuen Lungenheilstätte statt.
Im jahre 1906 wurde die Heilstätte über eine Freilandleitung an ein neu entstandene Elektrizitätswerk angeschlossen und die Bettenkapazität um 12 auf 72 erweitert.
Durch die Anschaffung von Röntgen- und Pneumothorax-Apparaten wurde die Heilstätte auf den neusten Stand gebracht. In den 1920 er Jahren wurde sie weiter ausgebaut. Aus einem Sanatorium für Leichtlungenkranke war ein modernes Lungenkrankenhaus mit etwa 130 Betten geworden. Ab 1927 bot sich hier nun die Möglichkeit chirurgischer Eingriffe (Thoraxchirurgie).
Auch in den 1930er Jahren wurde das Sanatorium erweitert. Die nunmehr erreichte Kapazität von 180 Krankenbetten blieb in den kommenden Jahrzehnten konstant, so dass 1938 der Ausbau der Heilstätte im Großen und Ganzen als abgeschlossen angesehen werden kann.

Im Zweiten Weltkrieg und auch in den schwierigen Jahren danach blieb die Heilstätte ohne Unterbrechung in Betrieb.
Ab Anfang 1962 wurden auch männliche Patienten aufgenommen.
Im Jahre 1967 wurde die Schließung der Heilstätte durch die Bezirksregierung Magdeburg angeordnet. Ein Grund dafür dürfte gewesen sein das sich die Klinik im absoluten Speergebiet der DDR lag.
Ab 1968 wurde die ehemalige Lungenheilstätte durch die Nationale Volksarmee (NVA) und die Grenztruppen der DDR mit 150 Kurplätzen genutzt. Als Patienten fanden sich hier alle Dienstgrade vom Unteroffizier bis zum General wieder. Bekanntester Kurgast war Armeegeneral und Verteidigungsminister der DDR Heinz Hoffmann im Jahr 1972. Da die in der Klinik behandelten Patienten in dem Ruf standen, nicht sonderlich krank zu sein, sondern im Harz in aller Abgeschiedenheit dem Müßiggang zu frönen, wurde das Objekt hinter vorgehaltener Hand gern auch einmal als „Faultierfarm“ bezeichnet.



Mit der Wende 1989 in der DDR änderten sich die Verhältnisse abermals grundlegend. Bis zur Rückübertragung der Heilstätte durch das Bundesvermögensamt an den Johanniter-Orden 1992 standen die damals baulich gut erhaltenen Gebäude einige Zeit leer. Die Rückübertragung des Objektes an den Johanniterorden stellte diesen vor große Probleme. Der Johanniterorden sah sich angesichts vieler anderer Aufgaben im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung und anstehenden Investitionen in anderen rück übertragenen Objekten in den neuen Bundesländern nicht in der Lage, in Sorge die notwendigen Investitionen vorzunehmen.
Als Nachnutzung war auch die Einrichtung eines Kinderheims, eines SOS-Kinderdorfs oder eines Müttergenesungsheims angedacht. Keines dieser Ziele ließ sich realisieren.
Im Jahre 2019 befinden sich alle der Gebäude in einem Zustand des stark fortgeschrittenen Verfalls, Teile des Daches sind eingestürzt und nahezu alle Fenster sind zerbrochen, so dass die Witterung den Verfall noch weiter begünstigt. Die Gebäude enthalten keinerlei Einrichtungsgegenstände und auch sämtliche Wasser- und Elektroleitungen wurden im Zuge der Entkernung entfernt. Das Gebiet ist auf 30 Jahre verpachtet an ein Paar, welches Schlittenhunde züchtet und wird als “Lost Place Erlebniscamp” gern von Fotografen besucht.

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